Die Kinderzimmer: Übergangswohnung im eigenen Haus

April 26th, 2010 · No Comments

Die Kinderzimmer in einer Wohnung oder in einem Haus sind, wenn man es so sagen möchte, ein Kapitel für sich. Kaum in einem anderen Raum wird so viel Unordnung gemacht und wieder aufgeräumt, werden die Möbel so oft umgestellt, umgestaltet und zweckentfremdet. Mit kaum einem anderen Zimmer, als dem Kinderzimmer, handeln sich die Eltern so viel Ärger ein – welches Kind mag schon immer aufräumen? Wehmut ist aber ebenfalls mit diesem Kinderzimmer verbunden, denn hier wird manche Mutter, werden manche Väter oft sitzen und sich nach den Zeiten sehnen, als noch Leben im Haus war und die Kinder noch nicht erwachsen und ausgezogen waren.

Die Anfänge: Das Babyzimmer

Jene Eltern, die sich entscheiden, ihre ersten Kinder nicht im Schlafzimmer zu beherbergen, sondern gleich ein neues, eigenes Zimmer anzuschaffen, tun dies mit viel Liebe. Hier werden die Wände hübsch gestrichen, werden extra Möbel gekauft. Diese Möbel – meist ein Schrank, ein Bett und eine Wickelkommode – dürfen auch etwas Geld kosten. Nicht selten kombinieren sich Erbstücke dazu: Der Stubenwagen vom Speicher der Großeltern oder die Wiege, einst eigenes Bett und nun Familienerbstück werden zusammen mit den neuen Möbeln aufgestellt. Bunte Bilder, das eine oder andere Mobile beziehungsweise eine hübsche Spieluhr: Dieses Zimmer auszugestalten, in dem das Baby schlafen soll, macht eine Menge Spaß. Werdende Mütter, die von ihrer Schwangerschaft erfahren haben, können es kaum erwarten, diesen Raum fertig zu stellen.

Das Kleinkind im eigenen Zimmer

Jedes Kind macht einmal die Phase durch, nicht im eigenen Bett schlafen zu wollen, sondern viel lieber in der Mitte zwischen Vater und Mutter gut behütet ins Land der Träume zu wandern. Doch kann man diesen Wunsch – nicht gerade angenehm, zu dritt in einem Doppelbett zu schlafen – etwas mindern, wenn das Kinderzimmer auch für Kleinkinder attraktiv gestaltet wird. Ein Prinzessinnen Bett oder eine Abenteuerburg mit Schlafplatz, dazu eine Beleuchtung, die die Angst nimmt – da wollen die Kinder dann doch manchmal lieber in ihr eigenes Bett und kommen erst am Morgen zu Mama und Papa in die Mitte, vollkommen legitim nach einer ruhigen Nacht mit ausreichend Platz. Die Einrichtung vom Kinderzimmer besteht hier oft aus gebrauchten Möbeln, die die Eltern irgendwo anders ersetzen, zum Beispiel einer Kommode aus dem Schlafzimmer, einem Schrank aus dem Familienbesitz. Erst, wenn die Kinder älter werden, die Schulzeit näher rückt, werden Babybett und Wickelkommode endgültig verbannt beziehungsweise weitergegeben und wird ein neues Jugendzimmer gekauft.

Die Schulzeit im Kinderzimmer

Während der Schulzeit ist im Kinderzimmer gleichzeitig Tummelplatz für Freunde, Arbeitsplatz für Hausaufgaben und Privatsphäre erwünscht. Schlafen, sich umziehen, gemütlicher Klatsch mit den Schulfreunden, PC Spiele und vieles mehr muss das Kinderzimmer also hier ermöglichen. Langsam müssen die Eltern auch begreifen, dass sie nicht mehr unaufgefordert diese Rückzugsmöglichkeit betreten dürfen. Nun beginnt der Streit um das Ordnung halten, werden Möbel verrückt und mit so manchem Poster beklebt. Irre Dekorationen, vom Totenkopf bis zum nackten Mann sind nun Alltag – Kopfschütteln und, soweit im Rahmen des Möglichen, gewähren lassen ist die beste Methode, die Pubertät auch in Sachen Kinderzimmer beziehungsweise Jugendzimmer vorbeiziehen zu lassen.

Erwachsene Kinder: Raus aus dem Zimmer?!

Das Klischee der älteren Söhne im Haus der Mutter bewahrheitet sich öfter, als man denkt. Warum die heimelige Atmosphäre aufgeben, selbst kochen und Wäsche waschen, wenn es zuhause doch so bequem ist? Die Atmosphäre in Bezug auf Bett, Möbel und Dekoration hat sich im Laufe der Jahre vielfach geändert, nichts erinnert mehr an das Babyzimmer, das hier einst untergebracht war. Doch ist nun der Zeitpunkt gekommen, an dem feststeht, dass jedes Kinderzimmer in der Wohnung oder im Haus eine reine Übergangswohnung sein sollte. Variabel, mit einer – im fortgeschrittenen Alter zunehmenden  - Gastfreundschaft, aber nicht für Dauerlösungen geeignet. Es ist nur natürlich und deswegen unvermeidbar, die Kinder ins eigene Leben zu entlassen; sowohl seitens der Eltern, als auch seitens der Kinder, die manchmal einen kleinen Schubs in die Freiheit brauchen.